Laufbahnentscheidungen von Fachpersonen Gesundheit
Rund die Hälfte der Fachfrauen/-männer Gesundheit (FaGe) streben zumindest mittelfristig den Pflegeberuf auf Tertiärstufe an. Dies zeigt die Befragung eines Jahrgangs von FaGe-Drittjahrslernenden im Kanton Bern zu ihren Entscheidungsabsichten und zu Einflussfaktoren für die Zeit nach der Ausbildung.
Fazit
Erfreulich ist, dass grundsätzlich viele Lernende nach Abschluss der FaGe-Ausbildung im Berufsfeld Gesundheit bleiben möchten. Durch den relativ hohen Anteil derer, die nach einer Berufstätigkeit als FaGe in andere Berufe wechseln möchten, sinkt dabei der Anteil der Lernenden in den Berufen FaGe oder Pflegefachperson von 73 auf mittelfristig 64 Prozent. Es wäre zu diskutieren, ob dieses Verhältnis dem Bedarf im Gesundheitswesen entspricht.
Neben der klassischen Motivation für einen Pflegeberuf (der direkte Kontakt zu den Pflegebedürftigen) scheinen insbesondere Aspekte wie Karriereaussichten, Weiterbildungsmöglichkeiten und Lohnentwicklung von Bedeutung zu sein, die sowohl für die Berufstätigkeit als FaGe als auch als Anreiz für eine weitere mehrjährige Ausbildung, z.B. in der Pflege, eingesetzt werden können. Unter anderem könnte eine transparente Information über die künftige Lohnentwicklung einen wirksamen Beitrag leisten.
Eine weitere Rolle scheinen die Erfahrungen im Lehrbetrieb zu spielen: die Ausbildungszufriedenheit und die Wahrnehmung der Rolle der ausgelernten FaGe im Betrieb beeinflussen die Entscheidungsabsicht. In diesem Sinne haben die Lehrbetriebe eine wichtige Funktion als Vorbild und in der Bindung der Lernenden an ihren Beruf bzw. das Berufsfeld. Das Berufsimage der FaGe, das unter anderem an den Lernorten geprägt wird, hat sich als starker Einflussfaktor auf die Entscheidungsabsicht gezeigt. Eventuell wären noch intensivere Information über den Beruf sinnvoll. Möglichweise ist es aber auch eine Frage der Zeit, bis das Image als Durchgangsberuf abnimmt, das sich im Akutbereich am intensivsten gezeigt hat.
Der signifikante Einfluss des Bildungshintergrunds der Lernenden und des Elternhaus (bei gleichzeitiger Kontrolle der schulischen Leistungen und Selbstwirksamkeitserwartung der Lernenden) deutet auf eine gewisse Ungleichheit im Zugang zur höheren Berufsbildung hin.
Die Ergebnisse sollen im Kanton Bern diskutiert werden und dazu beitragen, geeignete Massnahmen in Ausbildung und Rekrutierung von Pflegepersonal auf allen Qualifikationsstufen zu finden, um einem drohenden Mangel an Pflegepersonal zu begegnen. Ein nationales Projekt zu den Laufbahnentscheidungen von FaGe im Längsschnitt wird von Juli 2010 bis Ende 2012 von der OdASanté und dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung durchgeführt (vgl. «Am Puls» in «Krankenpflege» 9/2010).
Ines Trede ist Pflegefachfrau, absolvierte den Master of Science in Berufsbildung am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB)
und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am EHB. Kontakt: ines.trede@ehb-schweiz.ch
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